Was Resilienz und Bewusstseinserweiterung verbindet
Wenn ich die sechs Resilienz-Faktoren zugrunde lege, die ich mit meiner Co-Autorin Claudia Pusch auf Basis der aktuellen Evidenzlage in unserem Fachbuch „Resilienz-Coaching“ (2023) beschreibe, entsteht für mich ein gemeinsames Prinzip: Flexibilität.
[Die 6 Resilienz-Faktoren lauten: Selbstregulationsfähigkeit, Selbstwirksamkeit, Lösungs- und Zukunftsorientierung, Optimismus, Sinn- und Werte sowie soziales Netz. Sie überlappen und ergänzen sich, sie vereinen unterschiedliche andere Ressourcen und resilienzfördernde Eigenschaften und Fähigkeiten.]
Flexibilität
Die Fähigkeit,
eine Situation neu zu betrachten,
einen Gedanken nicht für die Wahrheit zu halten,
Gefühle zuzulassen,
Kontrolle abzugeben, loszulassen und zu vertrauen,
neue Perspektiven einzunehmen,
Verbindung zu erleben,
sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen,
Sinn zu finden und
sich selbst auch dann zu vertrauen, wenn die Zukunft nicht vorhersehbar ist.
Bewusstseinserweiterung ist KEIN Resilienztraining
Bei aller Faszination möchte ich deshalb auch eine Grenze ziehen. Eine außergewöhnliche Erfahrung macht einen Menschen nicht automatisch resilient.
Und Psychedelika, die zu bewusstseinserweiterten Zuständen führen (in Deutschland noch illegale Substanzen, sich aber in vielerlei klinischer Forschung befindlich) verdienen hinsichtlich ihrer Wirkweise und Potenz gebührenden Respekt, noch sind sie für jeden Menschen geeignet. Die wissenschaftliche Forschung ist noch vergleichsweise jung und zeigt ein differenziertes Bild. Gerade deshalb kommt es auf Vorbereitung, Sicherheit, Kontext (Set & Setting) und Integration an.
Auch die Vorstellung, Psychedelika würden einfach „das Gehirn flexibler machen“, wäre zu einfach. Entscheidend ist deshalb möglicherweise weniger die außergewöhnliche Erfahrung selbst als das, was wir daraus machen.
Und diese folgenden Fragen können wir uns auch im ganz nüchternen Zustand stellen. Vielleicht gehen wir dabei spazieren, lehnen uns an einen Baumstamm oder legen uns auf eine Wiese. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Antworten dann tiefer und ehrlicher ausfallen können:
Was ist danach anders – auch nach einer Herausforderung, Krise oder Umbruchphase?
Welche Überzeugung möchte ich überprüfen?
Welche Beziehung möchte ich anders gestalten?
Welche Angst möchte ich nicht länger mein Leben bestimmen lassen?
Welche Werte sind mir wirklich wichtig?
Wo kontrolliere ich zu viel, um (vermeintliche) Sicherheit zu spüren?
Wann und wem könnte ich mehr vertrauen oder zutrauen?
Und welche konkrete Handlung folgt daraus für meinen Alltag?
Denn genau dort beginnt Integration. Und auch Resilienz.
Egal, ob mit oder ohne substanzinduzierten bewusstseinsveränderten Zuständen.
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In der von Claudia Pusch, Katrin Große und mir gegründeten Kitchen2soul Akademie bieten wir online und Präsenz Aus- und Weiterbildung zu Resilienz-Coaching, systemischen Coaching, psychischen Erkrankungen in Coaching und Beratung, Netzwerktreffen und vieles weitere an. Ganz neu im Programm: mein online Tagesworkshop: „Old Brain in a New World – wie Gehirn, Körper und Resilienz zusammenhängen- Praktisches Wissen für Coaching, Training, Führung und Therapie“
Schaut gerne auf www.kitchen2soul.com vorbei.
Gerne halten mein Team und ich Keynotes und Weiterbildungen zu diesen Themen auch in eurem Unternehmen.
Fotografie © Levi Meir Clancy on Unsplash
